Ristorante La Perla - Luzern

«Si, questo è La Perla»

GaultMillau 2017 - 15 Punkte

Wir kommen öfters hierher. Auf eine Carbonara („la vera, senza panna“). Auf einen Teller Spaghetti alle vongole. Aber das ist nur die halbe Geschichte. Die andere: Der Urner Chef Philipp Tresch ist in der Sonderwertung „Italienische Küche“ die Nummer 1 der Stadt. Beweise für Kreativität und Talent? Da ist mal dieser Krakencarpaccio. Ein Teil des Tintenfischs wir dünn aufgeschnitten. Der andere krümmt sich furchterregend im Teller. Das Meergetier wird „tiède“ serviert, der kleine Kartoffelsalat dazu ebenfalls. Gewürzt wird erfrischend, mit Zitrone im erstklassigen Olivenöl. Da sind diese Raviolini, gefüllt mit Kalbfleisch. Stattliche Dinger. Mit einer sensationellen Sauce: Marsala in Power-Reduktion, Kalbfleischfond, aufmontierte Butter. Und da war noch diese sardische Lammschulter: Tresch hat sie drei Stunden lang geduldig geschmort, mit Olivenöl, mit Oregano, mit kandierter Amalfi-Zitrone. Das Ergebnis ist sehr intensiv, sehr italienisch; Messer braucht es nicht – das zarte Fleisch löst sich fast allein vom Knochen.

Treschs Repertoire ist (vor allem abends) grenzenlos. Neckische Reh-Ravioli, ebenfalls an dieser grossen Marsala-Sauce und erst noch mit Gänseleber, gehören dazu. Die Tagliolini, wunderbar al dente natürlich, kriegen ein Upgrade: Hummerscheren, eine bisqueähnliche Hummersauce. Und natürlich beherrscht der Chef auch die Fischküche. Wir kriegten einen Prachtkerl von Dover Sole, 550 Gramm schwer, dick und saftig, mit Olivenöl vom Gardasee. Die Desserts? Schoggimousse mit Olivenöl aus Umbrien. Oder Ananascarpaccio mit Peperoncino (!) und hausgemachter, schmelzender Passionsfruchtglace.

Auch wenn Philipp Tresch förmlich abhebt: „La Perla“ ist kein Gourmettempel. Eher eine unkomplizierte, oft etwas laute, moderne Trattoria, Ein Wohnzimmer für viele, die in der Stadt etwas bewegen (Politik, Wirtschaft, FC Luzern). Nicola Punzi ist der souveräne Hausherr. Er hält seine Gäste und seine treuen Ragazzi bei Laune, ist ein Kenner italienischer Reben. Seinen Empfehlungen (diesmal ein „Cavalli“, Toskana, reiner Merlot) vertrauen wir blind.

Quelle: GaultMillau Guide 2017